Weiterführende Therapien

Die Folgen eines Schlaganfalls können ganz unterschiedlich sein: Häufig treten Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, Koordinationsstörungen oder Sprachstörungen auf. Eine Rehabilitation soll dem Patienten helfen, seine verlorenen Körperfunktionen weitestgehend zurückzuerlangen bzw. zu lernen, mit der neuen Situation zu leben.

Physiotherapie

Je früher mit der Physiotherapie begonnen wird, desto höher sind die Chancen, dass sich die Lähmung zurückbildet. Daher gilt: Physiotherapie ab dem ersten Tag – selbst wenn der Patient noch bettlägerig ist. Von Beginn an werden die intakten Hirnareale durch unterschiedliche Berührungen und aktive wie passive Bewegungen stimuliert. Je nach Krankheitsverlauf bekommt der Patient später Kraft- und Ausdauertraining sowie Gleichgewichts- und Koordinationstraining verordnet. Er lernt gegebenenfalls, auch Hilfsmitteln wie einen Rollstuhl zu nutzen.

Physikalische Rehabilitation

Die Physikalische Rehabilitation beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den sensomotorischen Störungen. Bewegungen neu erlernen, Feinmotorik, Koordination und Sensibilität trainieren sowie – falls notwendig – ein Umtrainieren von bestimmten Abläufen auf die nicht-gelähmte Seite stehen hier im Vordergrund. Die unterschiedlichen Methoden werden je nach Schweregrad der Erkrankung eingesetzt.

Logopädie

Ein Schwerpunkt der Logopädie liegt in der Behandlung von Sprach- (Aphasie) und Sprechstörungen (Dysarthrophonie), unter denen viele Schlaganfall-Patienten leiden. Einige Patienten erlangen ihre Sprachfähigkeit ohne therapeutische Maßnahmen in den ersten vier Wochen zurück; danach verlangsamt sich die Verbesserung der Sprachfähigkeit wieder. Daher ist es bei Sprachstörungen ratsam, von Beginn an einen Logopäden aufzusuchen.

Therapieinhalte sind

  • Training des Wortschatzes
  • Verbesserung von Lese- und Schreibproblemen
  • Training der Sprechmuskulatur für eine bessere Aussprache
  • Erarbeiten von kommunikativen Hilfestellungen für den Alltag, ggf. auch nonverbale Kommunikation

Schluckstörungen (Dysphagie) können eine Folge eines Schlaganfalls sein, die nicht unterschätzt werden sollte. Symptome sind ein häufiges Verschlucken von Speichel, bestimmten Speisen und Getränken in Kombination mit Räuspern, Husten oder gar Atemnot. Speisereste oder Flüssigkeiten können in die Luftröhre gelangen und zu einer Lungenentzündung führen. Bei der Therapie wird festgelegt, welche Ernährungsform zunächst für den Patienten die beste ist. Beim anschließenden Schlucktraining wird beobachtet, wie der Patient isst, und das Schlucken geübt, damit der Patient nach und nach wieder vielfältige Nahrung zu sich nehmen kann. Bei schweren, mehrere Bereiche umfassenden Schluckstörungen muss auf die orale Nahrungsaufnahme vorerst verzichtet werden, um das Einatmen von Nahrungsbestandteilen (Aspirationen) zu vermeiden. Die Nahrung wird dann über eine Sonde zugeführt.

Psychotherapie

Ein Schlaganfall und seine Folgen sind für viele Betroffene ein einschneidendes Erlebnis. Die Untersuchungen und Behandlungen können oftmals belastend sein. Manche Patienten bekommen gar Depressionen. Diese können bei einer Rehabilitation hinderlich sein. Ziel der Psychotherapie ist, dem Patienten wieder Lebensmut zu geben und damit seinen Zustand zu verbessern.

Die psychologische Behandlung beinhaltet

  • unterstützende Hilfe bei der Bewältigung der Krankheitsfolgen, die durch den Schlaganfall entstanden sind
  • individuelle Diagnose und Therapie seelischer Probleme zu lernen, die Krankheit zu bewältigen
  • Betreuung der Bezugspersonen, d.h. wenn Familie und andere Angehörige in der Krisensituation Unterstützung brauchen
  • Rauchentwöhnung ohne den vermeintlichen Verlust an Lebensqualität
  • Informationen, Entscheidungshilfen und Handlungsgrundlagen

Eine entscheidende Voraussetzung für die Psychotherapie ist jedoch, dass der Patient den Wunsch hat, etwas zu ändern. Er muss bereit sein, sich mit seinen Gefühlen und Erfahrungen auseinanderzusetzen.

Neuropsychologie

Die Neuropsychologie befasst sich mit der Diagnose und Therapie von Störungen des Denkens, Erlebens und Verhaltens, die aufgrund einer Hirnschädigung auftreten können.

Dazu zählen

  • Gedächtnisstörungen
  • Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Kommunikationsprobleme
  • Persönlichkeitsveränderungen

Gespräche können erste Hinweise auf das geistige Leistungsvermögen des Patienten geben. Anschließend werden in neuropsychologischen Tests Konzentration, Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit erfasst. Hierbei werden in der Regel zugleich die Berufs- und Fahrfähigkeit geprüft.

Ziel des anschließenden neuropsychologischen Trainings ist, die durch den Schlaganfall hervorgerufenen Beeinträchtigungen weitestgehend zu mindern. So können Patienten mit Aufmerksamkeitsstörungen  beispielsweise lernen, sich wieder zu konzentrieren, indem sie durch Nacherzählen von Geschichten das Gedächtnis trainieren. Wichtig ist dabei, dass Patient und Therapeut sich Zeit nehmen, damit das Gehirn sich neu organisieren kann und die Motivation erhalten bleibt.

Ärztliche Betreuung

Im Rahmen der Rehabilitation werden gesundheitliche Störungen, die bei der Ursachenforschung des Schlaganfalles aufgefallen sind, überwacht und behandelt (Versorgung von Arterien, die zum Gehirn führen, Herzrhythmusstörungen, Blutwerte, Gerinnungsstörungen, Überwachung und Einstellung von Medikamenten).

Prävention eines neuen Schlaganfalles

Wer einen Schlaganfall überstanden hat, sollte Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht meiden, um einem weiteren Schlaganfall vorzubeugen. Gesunde Ernährung und viel Bewegung sollten stattdessen den Lebensstil prägen. Des Weiteren sollte regelmäßig ein Arzt aufgesucht werden, der Blutdruck- und Cholesterinwerte prüft. Wichtig ist außerdem,  Herzrhythmusstörungen zu beobachten und ggf. zu behandeln. Manchmal müssen auch Schlagaderverengungen operiert werden, um das Risiko eines Schlaganfalls zu minimieren.

Nicht aufgeben - Sie müssen Dinge, die Ihnen schwerfallen, immer wieder üben!