Freunde und Familie

Nach einem Schlaganfall müssen die Betroffenen vieles wieder mühsam erlernen – sei es das Gehen, Greifen oder Sprechen. Aber nicht nur körperliche Funktionen sind betroffen, auch auf die Psyche hat ein Schlaganfall Auswirkungen. Bei der Rehabilitation eines Patienten sind daher nicht nur Ärzte, Pflegepersonal, Psychologen und Therapeuten wichtig, auch Familie und Freunde spielen bei der Genesung eine entscheidende Rolle – vor allem, wenn der Patient wieder zu Hause ist.

Schlaganfall-Patienten müssen viel Geduld haben, bis sie frühere Alltagsaktivitäten wieder aufnehmen können – und vor allem akzeptieren, dass sie in der Genesungsphase auf die Hilfe von anderen angewiesen sind. Sie nehmen sich häufig selbst ganz anders wahr, schwanken emotional zwischen Selbstüberschätzung und Selbstmitleid. Bei mindestens einem Drittel der Patienten entwickelt sich in den ersten Wochen eine sogenannte „Poststroke Depression“ (engl. für "nach dem Schlaganfall").

Mit Gesprächen Gedächtnis trainieren

Des Weiteren ist oftmals das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt. Die Betroffenen können sich beispielweise nicht mehr an Geburtstage von Freunden und Verwandten oder die eigene Adresse erinnern. Diese Vergesslichkeit wird zur Belastung – auch für Familienangehörige. Doch genau die Verwandten sind es, die diese Erinnerungslücken wieder schließen können mit Hilfe von Fotos, Namenstafeln oder Neuigkeiten über wichtige Bezugspersonen. Diese Gespräche erfordern jede Menge Geduld, helfen dem Betroffenen aber, sein Gedächtnis zu trainieren.

Solche Hilfestellungen sind besonders bei den Sprach- und Sprechstörungen nach Schlaganfällen nötig. Dabei kommt es in unterschiedlicher Ausprägung zu Problemen beim Verstehen von Worten, beim Sprechen, Schreiben und Lesen. Die Kommunikation scheinbar banaler Sachverhalte wird teilweise sehr erschwert, was für die Patienten und ihre Angehörigen ebenfalls zu einer großen Belastung werden kann. Solche Erfahrungen können zu depressiven Stimmungen führen. Daher muss über geeignete Hilfe und Anleitung die Kommunikation wiederhergestellt werden.  

Sehr wichtig im Umgang mit Schlaganfall-Patienten ist auch die Kenntnis von Schluckstörungen, an denen bis zu 50 Prozent der Patienten in den ersten Tagen nach dem Schlaganfall leiden. Mit einem Schlucktest kann der Arzt feststellen, welche Speisen und Getränke problematisch sind und – falls notwendig – festlegen, welche Speisen zeitweilig nicht mehr erlaubt sind.

Eine weitere Folge des Schlaganfalls kann sein, dass die Patienten eine Seite ihres Körpers nicht mehr wahrnehmen. Es kann Monate dauern, bis der Patient dies begreift und lernt, damit umzugehen. Familienangehörige und Freunde können dabei helfen, indem sie

  • dem Patienten erklären, dass er eine Körperhälfte übersieht
  • den Patienten häufig von der betroffenen Seite ansprechen, damit er diese wieder wahrnimmt
  • dem Patienten Gegenstände auf der betroffenen Seite reichen

Keinen Druck ausüben

Wichtig ist bei allen Handlungen, den Betroffenen nicht unter Druck zu setzen, sondern ihm zu zeigen, dass er trotz seiner Schwächen geliebt und geachtet wird. Wenn Behandlungserfolge von anderen angesprochen werden, fühlen sich Patienten ermutigt, weiter zu lernen.

Doch nicht nur Schlaganfall-Patienten brauchen Hilfe, auch die Angehörigen. Sie müssen ihr Leben ebenfalls umstellen. Als Helfer und Pfleger wird ihnen zeitlich, körperlich und seelisch viel abverlangt. Ihre ersten Ansprechpartner sind der Arzt, die Pflegekräfte, je nach Defiziten der Patienten Therapeuten (Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden), sychologen, der Sozialdienst im Krankenhaus oder der ambulante Pflegedienst. Schlaganfall-Selbsthilfegruppen beraten nicht nur Betroffene, sondern auch deren Angehörige. Einige häusliche Pflegedienste bieten Lehrgänge in der Krankenpflege an. Wenn medizinische Dienste bestätigen, dass Angehörige den Patienten mindestens 14 Stunden in der Woche betreuen, zahlt die Pflegekasse für den Pflegenden Beiträge an den zuständigen Träger der gesetzlichen Rentenversicherung (§ 19 bzw. 44 SGB XI).