Therapiemöglichkeiten des begrenzten, nicht metastasierten Tumors

Aktive Überwachung  (active surveillance)

Bei Patienten im höheren Lebensalter, die einen kleinen, wenig bösartigen Tumor haben, ist die aktive Überwachung eine mögliche Therapieform. Wichtig ist hier, dass regelmäßig der PSA-Wert bestimmt und der Tastbefund (Palpationsbefundes) kontrolliert wird.

In geeigneten Fällen kann damit eine Operation vermieden werden. Der Nachteil dieses Vorgehens ist, dass bei einem Fortschreiten der Erkrankung die dann notwendige Operation erst zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt, der Patient dann unter Umständen auch altersbedingt höhere Operationsrisiken besitzt. Außerdem ist das Vorgehen mit einer höheren psychischen Belastung des Patienten verbunden.

Operation

Ist der Tumor auf die Prostata beschränkt, kann die Erkrankung durch eine Entfernung geheilt werden (radikale Prostatektomie). Der Eingriff ist von verschiedenen Zugängen aus möglich:

  • offene Operation über Zugang hinter der Schambeinfuge (retropubisch)
  • Entfernung der Prostata vom Damm her (perineale Prostatektomie)
  • endoskopische bzw. laparoskopische Entfernung der Prostata (Entfernung über Endoskope, die duch die Bauchhöhle oder oberhalb des Schambeins in den Körper eingebracht werden).

Unabhängig von der Technik: Bei allen operativen Eingriffen wird die Prostata komplett mit den Samenblasen und meist auch den zugehörigen Lymphknoten entfernt. Nach Entfernung der Prostata werden Harnröhre und Harnblase mit einer speziellen Nahttechnik wieder miteinander verbunden. Zur Stabilisierung der Naht dann für einige Tage ein Katheter eingelegt.

Bei jedem dieser operativen Verfahren ist es möglich, die für die Erektionsfähigkeit wichtigen Nervenstränge zu erhalten. Voraussetzung für den Erektionsnerverhalt ist jedoch, dass der Prostatakrebs nicht zu weit fortgeschritten ist.

Risiken der Operation

Allgemeine OP-Risiken, die bei allen größeren operativen Eingriffen bestehen (z.B. Blutung, Wundinfektion, Thrombose) können auch nach einer radikalen Prostataoperation auftreten.

Ein spezielles Risiko stellt die postoperative Harninkontinenz dar. Meist ist sie nur eine vorübergehende Erscheinung (eine sogenannte Stressinkontinenz). Bei manchen Patienten kann jedoch auch eine bleibende Inkontinenz auftreten.

Die postoperative zeitweilige Impotenz (erektile Dysfunktion) tritt hingegen sehr häufig auf. Wenn der Tumor nicht zu weit fortgeschritten ist, wird heute meist der Erhalt der Gefäßnervenstränge angestrebt. Falls das gelingt, kann bei einem hohen Prozentsatz der Patienten die erektile Funktion erhalten werden.

Es gibt viele Hinweise dafür, dass nach einer Nerv-erhaltenden Operation die Potenz früher und vollständiger zurückkehrt, wenn frühzeitig erektionsfördende Medikamente eingenommen werden. Dies wird der Operateur mit Ihnen  besprechen.

Strahlentherapie

In vielen Zentren wird eine Strahlentherapie (Radiatio) der Prostata als Alternative zum chirurgischen Eingriff durchgeführt. Mit der Strahlentherapie werden aber auch neu aufgetretene Tumore (Rezidive) behandelt. Verschiedene Formen der Strahlentherapie können zum Einsatz kommen:

Mit der Strahlentherapie sollen die Tumorzellen durch hochenergetische Strahlen vernichtet werden. Die komplette Tumorvernichtung kann mit einer ausreichend hohen Strahlendosis erreicht werden.

Risiken der Strahlentherapie

Als Akutreaktionen bezeichnet man jene Veränderungen, die in den ersten Wochen während und nach der Strahlentherapie auftreten. Meist handelt es sich um vorübergehende Reizzustände im Bereich der Harnblase und des Enddarmes, wie z.B. häufiges Wasserlassen und Stuhldrang. Auch Harnwegsinfekte und eine erschwerte Blasenentleerung bis zur Harnsperre, bei der der Harnabfluss nicht mehr möglich ist, können vorkommen.

Spätreaktionen treten oft erst Jahre nach der Bestrahlung auf. Auch hier stehen Reizzustände von Harnblase und Enddarm im Vordergrund, die allerdings dann chronisch verlaufen können. Häufig kommt es zu Erektionsstörungen (Impotenz).