Der Pathologe

Über 90 Prozent ihrer Arbeit besteht in der Aufarbeitung (Präparieren) und Analyse (makroskopische und mikroskopische Beurteilung) von Gewebeproben, die Patienten zu Lebzeiten entnommen werden. Diese Gewebeproben sollen je nach diagnostischer Fragestellung z. B. Aufschluss darüber geben, ob und in welchem Ausmaß ein Tumorbefall vorliegt oder um was für eine Entzündung des betreffenden Gewebes es sich handelt. So wird fast jede endgültige Tumordiagnose erst unter dem Mikroskop des Pathologen gestellt.

Raoul Hinze, Chefarzt der Pathologie an den HELIOS Kliniken Schwerin und seine Kollegen, sehen so pro Jahr mehr als 26.000 Proben von unterschiedlichen Patienten. „Unsere Aufgabe besteht darin, durch feingewebliche Untersuchungen eine definitive Diagnose zu erstellen, und das möglichst bereits vor einem operativen Eingriff anhand winziger Gewebsproben“, erklärt der 44-jährige Pathologe. „Nur so kann frühzeitig der bestmöglichste Therapieplan für den Patienten erstellt werden.“

Moderne Methoden in der Pathologie erlauben es, selbst an kleinsten Biopsieproben immunologische und molekulargenetische Untersuchungen durchzuführen, die im Einzelfall für eine individuelle Therapieplanung entscheidend sind.

Was passiert genau im Labor von Dr. Hinze? Nach der Gewebeentnahme und der makroskopischen Beurteilung durch den Pathologen,  wird die Probe in Formalin fixiert. „So wird der Zerfall des Gewebes verhindert“, erklärt der Pathologe. In speziellen Automaten wird das Gewebe letztlich nach verschiedenen Arbeitschritten in ein haltbares Paraffinblöckchen eingebettet, dass dann in sehr dünne Scheiben geschnitten, gefärbt und unter dem Mikroskop analysiert werden kann. Das Besondere: Diese Gewebeproben sind dauerhaft haltbar und  auch Jahre später noch für Untersuchungen zugänglich. Dadurch können z.B. Analysen hinsichtlich neuester Therapieverfahren auch noch viele Jahre nach der Operation in der Pathologie durchgeführt werden.

Dauerte das Erstellen eines Befundes früher bis zu einer Woche, liegt das Ergebnis in der Mehrzahl der Fälle heute bereits nach 24 Stunden vor. „Jeder gewonnene Tag kann für die nachfolgenden Therapien wichtig sein und verkürzt unnötig lange Liegezeiten“, sagt Dr. Hinze.

Im Brustzentrum der HELIOS Kliniken Schwerin arbeitet Dr. Hinze  interdisziplinär eng mit Radiologen, Gynäkologen, Onkologen, Strahlentherapeuten und anderen Kollegen zusammen. „Der pathologische Befund beeinflusst sowohl die Art und den Umfang des chirurgischen Eingriffs als auch den Einsatz zusätzliche Maßnahmen wie Strahlen- oder Chemotherapie“, so der Mediziner.  Im sogenannten Mammaboard treffen sich alle Kollegen der verschiedenen Fachdisziplinen wöchentlich, um alle Patientinnen mit Brustkrebs, die im Zentrum behandelt werden, zu besprechen und eine moderne und individuelle Therapie festzulegen.  Aber nicht nur in der Tumorbesprechung Brustkrebs ist Dr. Hinze vertreten: Auch in anderen Tumorboards gehört der Pathologe dazu. Das breite fachliche Spektrum und die interdisziplinären Herausforderungen machen eine Besonderheit seines Berufs aus, erzählt der Schweriner Pathologe, dadurch bleibt seine Arbeit vielfältig und spannend.