Moderne Methoden zur Brustwiederherstellung
"Wir nutzen das biologische Gedächtnis des Gewebes"
Die Abkürzungen klingen rätselhaft: DIEP, I-GAP und S-GAP. Dahinter verbergen sich moderne Methoden der Brustwiederherstellung mit Eigengewebe nach Brustkrebs. Dr. Uwe von Fritschen, Chefarzt der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie am HELIOS Klinikum Emil-von-Behring, erklärt wie die Verfahren funktionieren.
„Die Plastische Chirurgie kennt viele Wege, um eine fehlende Brust wiederherzustellen - perfekt ist bisher keiner von ihnen“, sagt Dr. von Fritschen. Silikonimplantate führten nicht selten zu Folgeoperationen aufgrund von Narbenbildung oder Materialermüdung. Für den Einsatz von Gewebe aus dem Unterbauch- oder Rückenbereich (TRAM oder Latissimus-Lappenplastik), müssten dagegen Teile der Muskulatur geopfert werden.
Seit den 90er Jahren gibt es neue Methoden: Die sogenannten Perforator-Techniken. Hierbei löst der Plastische Chirurg Haut- und Fettgewebe mitsamt den Blutgefäßen und transplantiert es in einem mikrochirurgischen Eingriff. „Der Muskel, durch den die Gefäße verlaufen, bleibt davon meist unberührt“, so Dr. von Fritschen.
Benannt sind die Operationsmethoden nach den Arterien, die das Gewebe versorgen: Bei der DIEP (Deep Inferior Epigastric Perforator) Variante entnimmt der Chirurg eine Haut-Spindel aus dem Unterbauch. Diese Methode hat viele Vorteile, eignet sich aber nicht in jedem Fall. „Bei sehr schlanken Frauen oder Patientinnen mit ungünstigen Narben am Unterbauch kann man die DIEP-Technik nicht durchführen.“
Eine mögliche Alternative: S-GAP und I-GAP (Superior Gluteal Artery Perforator und Inferior Gluteal Artery Perforator). Das Vorgehen ähnelt der DIEP-Methode. Der Unterschied: Das Gewebe stammt aus dem Gesäß. Beim S-GAP aus der oberen Pobacke, beim I-GAP aus der Unterpofalte mit besonders unauffälligem Narbenverlauf. Als Nebeneffekt wirkt oft auch das Gesäß in der Regel fester und straffer.
Einen Vorteil teilen sich alle drei Methoden: Sie nutzen Eigengewebe. „Das Fettgewebe hat ein ‚biologisches Gedächtnis’, das heißt es verhält sich auch nach der Verpflanzung so, als befände es sich noch am Unterbauch oder am Gesäß“, erläutert von Fritschen. Die Folge: Das Gewebe wächst oder schrumpft, je nach dem wie sich der Körper der Patientin im Laufe der Zeit entwickelt. Alterungsbedingte Korrekturoperationen sind deshalb nur selten notwendig.
Aber: Auch die mikrochirurgischen Methoden der Brustwiederherstellung sind nicht ohne Risiko. Die Operation ist anspruchsvoll und erfordert viel Erfahrung. Interessierte Patientinnen sollten sich auf jeden Fall von einem speziell ausgebildeten Plastischen Chirurgen beraten lassen.






