Tritt eine Gesichtslähmung auf, wird als erstes ihre Ursache ermittelt. Dies geschieht in einer umfassenden neurologischen und internistischen Untersuchung. Eine sofortige Operation ist notwendig, wenn die Gesichtslähmung Folge einer Verletzung des Nervs ist. In einem mikrochirurgischen Eingriff rekonstruiert der Arzt dann den betroffenen Nervenabschnitt.
Was passiert bei der konservativen Behandlung einer Gesichtslähmung?
Bei der konservativen Therapie verzichtet der Arzt auf eine Operation. Stattdessen behandelt er die Krankheit, die die Gesichtslähmung ausgelöst hat, sofern diese bekannt ist. Außerdem verhütet er Folgeschäden, die durch einen ungenügenden Lidschluss entstehen (z.B. mit künstlicher Tränenflüssigkeit, Augensalbe, Uhrglasverband). Später kann der Patient mit Krankengymnastik noch eine deutliche Verbesserung erzielen. Das Problem: Die Behandlung erfordert viel Geduld und Ausdauer, da sie die Patienten täglich über viele Jahre selbstständig durchführen müssen.
Wie hoch sind die Chancen einer Erholung bei der Gesichtslähmung?
Oft bildet sich eine Gesichtslähmung ohne Operation zurück. Bei Lähmungen ohne erkennbare Ursache, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Symptome innerhalb eines halben Jahres abnehmen, zwischen 70 und 80 Prozent. Auch bei Gesichtslähmungen aufgrund einer Nervenverletzung kann die konservative Therapie zu Verbesserungen führen. Die Bewegungen zwischen der gesunden und erkrankten Gesichtshälfte bleiben aber meist asymmetrisch.
Welche Formen der operativen Therapie gibt es?
Bei der operativen Behandlung der Gesichtslähmung unterscheidet man zwischen der Verhinderung von Komplikationen, (z.B. durch Einlage von Goldgewichten im Lid, Lidraffung) und der eigentlichen Wiederbelebung (Reanimation) des gelähmten Gesichtes. Das Ziel: Die Mimik wieder herzustellen und die betroffenen Patienten erfolgreich in ihr familiäres und berufliches Umfeld zu integrieren.
Statische Zügelungsplastik
Hierbei hebt der Chirurg mit einem Zügel aus Eigengewebe oder Kunststoff den herabhängenden Mundwinkel an. Das Gesicht wirkt danach in der Regel deutlich symmetrischer und den Patienten fällt Essen und Sprechen leichter. Eine willkürliche Bewegung ist mit dieser Methode aber nicht zu erreichen.
Motorische Muskelersatzplastik
Der Gesichtsnerv steuert nicht alle Muskeln im Gesicht. Ein Chirurg kann mit den nicht betroffenen Muskeln, z.B. dem Schläfenmuskel, die geschädigten Muskulatur teilweise ersetzen. Der Vorteil gegenüber der statischen Zügelungsplastik: Der bewegliche Muskel führt zu einer aktiven Mimik. Diese Technik eignet sich sowohl für den Mundwinkel (Technik nach McLaughlin) als auch für das Lid (Technik nach Gillies). Die natürliche Vorspannung des Muskels garantiert dabei eine weitgehende Ruhesymmetrie. Willkürliches Anspannen des Schläfenmuskels erreicht zusätzlich eine Anhebung des Mundwinkels beim Lachen und einen aktiven Lidschluss. Diese Technik verbindet gute Ergebnisse mit geringem Risiko. Auch betagte Patienten vertragen den etwa zweistündigen Eingriff in der Regel problemlos. Auf Wunsch wird er in örtlicher Betäubung durchgeführt.
Cross face Nerventransplantat
In geeigneten Fällen verlängert der Chirurg die Nervenreize der gesunden Seite. Diese regen dann entweder den noch gesunden Muskel oder aber einen neuen, mikrochirurgisch transplantierten Muskel an. Voraussetzung ist eine noch funktionsfähige Muskulatur auf der betroffenen Seite.
Freie Muskeltransplantationen
Ist die Muskulatur bis zur Funktionsunfähigkeit verkümmert, entnimmt der Chirurg einen gesunden Muskel von anderer Stelle und transplantiert ihn ins Gesicht. Mithilfe einer Cross-face Nerventransplantation verlagert der Arzt zunächst das Nervensignal auf die erkrankte Seite. Ist dieses nach ca. 6 Monaten angekommen, erfolgt im zweiten Schritt der Anschluss des Muskels.
Operative Verfahren am Auge
Es gibt eine Reihe von Operationen, die nur Teilaspekte der Lidprobleme lösen. Zum Beispiel die Lidraffung, der Einsatz von Goldgewichten am Oberlid sowie Botulinustoxininjektionen zur Absenkung des Oberlides. Eine motorische Ersatzplastik nach Gillies ist ihnen in jedem Fall überlegen. Sie erreicht funktionell und ästhetisch meist deutlich bessere Ergebnisse. Hierbei wird die Grundspannung in Ruhe soweit erhöht, dass in der Regel keine weiteren Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Zusätzlich kann so der aktive Lidschluss wiederhergestellt werden.
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